The Rapparees ~ Wrapped Up (2011)

Es gibt Neuigkeiten von den fünf Belfastern. Mit Wrapped Up legen sie zwei Jahre nach dem ersten Silberling 14 Titel nach, die nach dem Erstling Clarity in tiefere, stilistische Fahrwasser führen. Für Coverfetischisten und Freunde schrägen Humors ist die optische Aufmachung von Wrapped Up ein Bonbon in der oftmals drögen, folkloristischen Landschaft. Eingekleidet in Pack- und Präsentpapier, dazu geschenkbändlich mit gelben Baustellenwarnband umwunden, präsentieren sich Gitarristen, Bassist und Banjospieler als mimisches Kuriosum. Einzig der Geiger, mit rotem Papier und zwergenähnlicher Kappe angetan, springt aus diesem Gesampaket hervor und stellt auf das musische Innenleben ein. Das Gesamte Cover ist einmalig schräg und macht die den Hörer schon im Vornherein eingenommen. Auf der Rückseite findet sich, die Fantasie anregend, das vom Körper gerissene Papier … Wer also Lust auf einen optischen Einstieg in das chaotische Treiben der fünf Musiker hat, schaue sich das Promovideo an:

Nun aber zur Musik. Instrumentell sind die Jungs eher konventionell bestückt. Mit diversen Gitarren, Banjos, Bass, Bouzouki, Fiddle, Mandoline, Drums und Whistles wird ans Folkwerk gegangen. Dabei erweisen sich The Rapparees als Multiinstrumentalisten, denn gewechselt wird fast bei jedem Lied, so dass schlussletztlich (fast) jeder alles spielt. Hinzu kommt eine außerordentliche Sangesleistung, die auch live, Youtube bestätigt diesen Umstand, von meisterlicher Qualität zeugt. Twa Recruiting Sergeants eröffnet das Album par excellence. Rhythmisch nach vorn drängend, dabei aber auf das moderne, oftmals inflationär und daher nervig wirkende Off-Beat-Gehacke verzichtend, präsentieren sich The Rapparees als Spaßfolkloristen. Dabei leistet das Album auch den Schritt, Live-Begeisterung und Tanzdrang ins musische Gemüt (und Bein) des Rezipienten einzuspielen. Im Gesang verhelfen die vielgeliebten Terzen, dem Fiddle-Folk-Sound zu angenehmen Volumen.

"plakatbild"Unerwartet kommt Cold Out Here sehr ruhig daher. Unerwartet, weil der Einstiegstitel ein stringent temporeiches Programm erwarten ließ. Ideen- und witzreich umspielt das Banjo den zartbesaiteten Gesang, indes die Violine vornehme Zurückhaltung walten lässt. Nach dem Absenken der Hörerherzfrequenz geht’s mit Brennan On the Moor wieder in die Gefilde treibender Tanzbarkeit. Angenehm ist der überzeugende Minimalismus der Band, denn selbst auf instrumenteller Sparflamme springt die Spielfreude sofort über.

Bis Lampies zeugt die Fiddle von vornehmer Zurückhaltung, die, akzentuiert eingesetzt, umso wirkmächtiger wirkt. In liebgewonnener und oft-gehörter Manier eröffnet die Reelsammlung ruhig, um nach einem Break im Banjo-Violinen-Unisono aufzugehen. Dabei spielen sich die die fünf Herren durch diverse Tonarten und überraschen immer wieder mit erstaunlichen Wechseln. Hervorzuheben bleibt der Einsatz der sogenannten Melodieinstrumente. Neigen die meisten Folkbands dazu, Violine und Whistle bisweilen als melodiöses Nonplusultra zu handeln, führen The Rapparees diese Tradition sehr angenehm ad absurdum.

Whiskey on a Sunday überzeugt zudem durch grölenden Schunkelgesang. Wem offbeat-lastiger Folkrock liegt, ist nicht per se falsch beraten, sollte sich allerdings auf musisches Neuland einlassen. Wer jedoch auf Traditionelles im ungewöhnlichen Gewand steht, der sollte den eingehüllten Silberling Wrapped Up unbedingt in das heimische CD-Regal und insbesondere in seine Anlage überführen. Und wer zudem die Herren auch in Deutschland live erleben möchte, ist am 30.07.2011 beim F60 European Celtic Music Festival genau richtig. Und mir wird es an diesem Tage eine Ehre sein, mit ihnen die Bühne teilen zu dürfen.

Trackliste

  1. Twa Recruiting Sergeants
  2. Cold Out Here
  3. Brennan On the Moor
  4. The Contender
  5. Lampies (Reels)
  6. Whiskey on a Sunday
  7. Mission Hall
  8. Can’t Teach An Old Dog To Live Longer
  9. The Mountains of Pomeroy
  10. Mick Maguire
  11. The Near Miss (Jigs)
  12. Never Came Back
  13. Our Own Way
  14. World Turned Upside Down

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