The Revival Tour ~ 2011 Collections (2011)

2011 Collections

Mit unaufgeregter Instrumentation kommt The Revival Tour daher, denn mit Gitarre, Bass und Mundharmonika sind die vier Herren

doch eher den konventionellen Sparten unserer Musik zuzuordnen. Woher rührt also der Charme der vier Herren, die weder mit erstaunlicher Instrumentalkunst brillieren, noch großartige musische Neuerungen offerieren? Es ist zum einen der vor Kraft strotzende Gesang, zum anderen aber auch die Eingängigkeit der Eigenkompositionen.

No Weather eröffnet den nur achttitligen Silberling, den eine Fotografie aus dem Fenster eines Flugzeugs ziert. Über die Wolkendecke ragen Berge, indes die Flügellänge des Transportmediums eher einen beschaulichen Eindruck vermitteln. So mäandert die fotografische Impression zwischen unendlicher Ferne und Beschaulichkeit des Menschlichen. Ob dies Intention des Covers war, bleibt unklar, fest steht jedoch, dass dieser Eindruck pässlich zum ersten Track des Albums passt.

Dan Andriano löst mit Hollow Sounds den Gesang seines Vorsängers Brian Fallon ab. Sang letztbenannter noch eher dem Rock-Punk-Klientel entsprechend, stimmt sein Titelnachfolger besinnlichere Töne an. Während Brians Stimmgewalt Fehlintonation ungeachtet ließ und sich der geneigte Rezipient in wohlwollendem Zuhören vergaß, erstaunt Dan bei zarteren Klängen mit gleichem Stimmvolumen.

Prague (Revive Me) eröffnet mit Mundharmonika und verortetet den Gesamtstil zwischen US-Liedermachertum und countryesken Zügen. Deutlicher wird das jedoch bei den Live-Mitschnitten, die – Gott sei Dank – bei Youtube zu finden sind. Schaut mal rein:

Leider kann das Album diesem Gesamtsound nicht gerecht werden, weil insbesondere die Fiddle fehlt, vor allem aber auf das gemeinsame Singen verzichtet. Bei den Liveperformances von The Revival Tour rücken immer wieder die Einzelstimmen in den Vordergrund. Dies mag bisweilen beschaulich sein und entspricht, bis auf eine Ausnahme, auch der Intention der CD. Zu konstatieren ist jedoch, dass der gemeinsame Sound den des Studios um ein Vielfaches überbietet.

Einzig On The Bow wird dem Live-Klang gerecht. Gleich einem leidenschaftlichen Spiritual ertönen die Stimmen der vier Herren in trauter Vielstimmigkeit. Gibt Chuck Ragan zumeist die ersten Worte vor, bricht die Stimmgewalt aller über den Solisten herein und bestätigt durch den quasi-sakralen Wechselgesang den Eindruck eines Spirituals. Keine zwei Minuten hält diese Leidenschaft an – viel zu wenig, um sich an das Miteinander der Charakterstimmen zu gewöhnen, das live so intensiv kultiviert wird.

Insgesamt also ein Silberling, der zwar beschaulich ist, und bei all jenen Anklang finden dürfte, die den Live-Sound der Band nicht kennen, doch insgesamt zu wenig überrascht und den Trumpf von The Revival Tour nicht ausspielt: Das gemeinsame Singen, das unfassbare Miteinander der Charakterstimmen, die nach solistischer Leistung beinahe unvereinbar scheinen.

Trackliste

  1. No Weather
  2. Hollow Sounds
  3. Prague (Revive Me)
  4. On The Bow
  5. Goodnight Irene
  6. Me and Denver
  7. Pray For Tucson
  8. Bedroll Lullaby

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