Dirty Artichokes – Losco Pruzio (2015)

Das erste Zeichen der Dirty Artichokes hieß „My Empire of Dirt“ und war eine der interessantesten Veröffentlichung in 2012. Die Besetzung war sehr weitreichend und offensichtlich jung. Sie spielten überwiegend eigene Songs und wenn nicht, haben sie freundlicherweise offensiv darauf hingewiesen. Sehr Celtic, sehr Punk und ein großer Berg Rumpel. Sie sind getourt, haben ein, zwei Videos veröffentlicht und nun, fast vier Jahre später, haben sie „Losco Pruzio“ veröffentlicht. Eins sei vorweg geschickt: ihre Entwicklung ist stringent. Aber ist sie auch gut? „Losco Pruzio“ kommt in der kompletten DIY-Version rüber. Jedes Hardcover der CD ist selbst hergestellt und das Faltblatt ist in verschiedenen Sprachversionen gehalten. Das bedeutet, es werden je drei Texte bekannt gegeben, aber die Sprache ist Zufall (in meinem Fall kyrillisch geschrieben). Das ganze hat Charme, spiegelt aber auch die Musik der Artischocken wider. Man merkt sofort, hier sind keine Anfänger am Werk, ABER…

Ich habe die CD das erste mal im Auto auf einem Familienausflug gehört, mit der Begründung, ich müsste dringend eine Review dazu schreiben. Die Jungs fanden es super, wobei ihnen die Zuordnung zur „Piratenmusik“ schwer viel. Meine Frau, zugegeben eine Kritikerin der Celtic-Musik (Achtung Euphemismus!) kommentierte das Gehörte nach sechs Liedern wie folgt: „Spielen die mit Absicht ihre Instrumente so schlecht?“. Und auch das zeigt das Problem der Kreativität, wie es in einer anderen Review heißt. Ich habe folgendes Bild im Kopf: ein Raum, leicht angeranzt mit dicken Teppichen auf dem Boden und Eierkartons, die von der Decke fallen. Dort wo sie fehlen, verweisen Kleberreste auf mehr. Der Raum ist voll mit allen Instrumenten, die man sich so vorstellen kann. Eine junge, fähige Band betritt den Raum und der Erste sagt: „Cool! Das wollte ich schon immer mal spielen“. Man kann eben nicht sagen, dass sie nicht wüssten, was sie machen. Aber es fehlt manchmal der rote Faden. Trotzdem finde ich die CD super. Sie ist eben dreckig! Und als meine Frau (die, die sonst ins Auto bricht) bei Yodlecore spontan laut auflachen muss, weiss ich, dass ich recht habe.

Fazit: Wem das Ohr blutet, wenn die Töne nicht sitzen, der sollte die Finger davon lassen. Wer Spass an Abwechselung hat und zuschauen will, wie Menschen ihre Fähigkeiten testen, hört es sich an. Und live kann das Ganze gar nicht anders als interessant und energiegeladen sein.

…ach so. Dirty Artichokes haben jetzt auch einen Bläsersatz. Skankin around the clock – zumindest ein wenig.

 

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