Revelling Crooks ~ Santa Rosalia (2012)

Santa RosaliaEs gibt Silberlingnachschub von den zechenden Halsabschneidern, die mit Santa Rosalia14 Titel aus dem Studio nachlegen. Erneut gehen die MusikerInnen mit polyglottem Multikultipluralismus ans musische Tagwerk. So ertönen englische, französische, italienische, jiddische aber auch deutsche Texte, so dass sprachaffinen Hörern das Herz aufgehen sollte. Anders als bei Speedfolk Live, das 2009 erschien, geht es beim neuen Album rhythmisch gemäßigter daher. So erklingt der namensgebende Titel zwar in gewohnt dichter Off-Beat-Manier, indes funnel of love feinen Country-Sound anbietet. Es sollte also auch der herzschlagruhigeren Generation möglich sein, sich den Takten der Musik zu ergeben und zu schwofen.

Wie schon bei den Vorgängern erklingen eigenkompositorische Anteile im Wechsel mit traditionellen Anteilen, was der Musik von Revelling Crooks einen vertraut ungewohnten Duktus gibt. So gibt es bspw. den italienischen Partisanen- und mittlerweile Partysong Bella Ciao, das zwar in gewohnten Gegentakt daherkommt, aber durch eine brillantes Picking belebt wird. Des Weiteren entspannt der Trompetenzwischenteil die Off-beat-Atmosphäre und gibt dem inhaltlich eher melancholischen Lied einen jahrmarktähnlichen Charakter. Dabei durchdringen sich das eigene und das traditionelle Motiv zu einem Konglomerat, das dem Ersthörer bisweilen vertraut bisweilen aber auch innovativ in das Ohr wurmt.

Die Seeräuberbraut eröffnet mit einem wundervollen Intro, das durch Akkordeon und Fiddle vorgetragen wird und sich sehnsüchtelnd an den Rand des Ozeans träumt. Der deutsche Text bedient sich einmal zu oft des Terminus Seeräuberbraut, so dass inhaltlich ein leichter Duktus von Zigeunerjunge mitschwingt. Erfreulich indes ist die Akkordik, denn indes die Strophen durch Mollgezeiten treiben, erklingt der Refrain in stürmischen Dur. Was bei Speedfolk Live für wundervolle Abwechslung sorgte, der permanente Einsatz von vielen Sängern, wurde bei 2012 erschienen Studioalbum ausgespart, was insbesondere den schnellen Stücken abträglich ist.

Mit Teufel an die Wand liefert die achtköpfige Formation einen Ohrwurm par excellence ab. Gitarre und Pizzicato-Violine eröffnen den Titel und werden vom Unisono-Herren-und-Damen-Gesang abgelöst. Als dann noch das shufflende Schlagzeug einsetzt, mäandert der Stil zwischen Schlager, Liedermacher und Chanson. Eine tolle Mischung, das sich, einmal erklungen, nicht mehr aus den musischen Memoiren aussparen lässt.

Insgesamt also ein Album, das gemäßigter als ein Vorgänger daherkommt und dadurch viel gewinnt: Mehr Titel zum Träumen und zum ruhigen Genießen, daneben aber weiterhin eine tanzwütige Mischung aus vielerlei Folklorerichtungen. Wer sich als Antipode des derzeit bedauerlicher Weise kultivierten Folkpurismus begreift, für den ist Santa Rosalia ein absolutes Muss.

Tracklist

  1. amari szi amari
  2. Sanra Rosalia
  3. funnel of love
  4. bodie town
  5. funeral song
  6. dumbala dumba
  7. fleurs du mal
  8. los peces
  9. rumänischer
  10. opa cupa
  11. Seeräuberbraut
  12. Teufel an die Wand
  13. bella ciao
  14. oj dortn

 

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