Menü

1916 – Far Beyond the Pale (2018)

Mit “Far Beyond the Pale” haben 1916 nicht nur ein neues Album vorgelegt, sondern auch ihren eigenen Stilmix zwischen Celtic-Punk, Folk und Psychobilly perfektioniert. Denn als sie 2012 mit “A Drop of the Pure” gestartet sind, waren es vor allem Cover und Klassiker, die sie in einer Punkrockvariante  gespielt haben, um auf “Stand up & Fight” mehr eigene Songs zu spielen. Allerdings passierte das, was im Celtic-Punk Bereich dann oft passiert. Die Melodien wurden weniger oder weniger eingängig. Das änderte sich dann auf “Last Call for Heroes” von 2015. Hier wurden sie noch ein gutes Stück schneller und folkangehauchte Bridges nahmen wieder zu.

Diesen Weg haben die 1916er nun auf zwölf Songgranaten ausgebaut und perfektioniert. Dabei sticht vor allem das Wechselspiel zwischen irischen Folkmelodien und amerikanischen Countryparts hervor. Aber ich greife vor – beginnen wir von vorne.

“The Risen People” ist ein perfektes Intro, denn es funktioniert sowohl auf der CD als auch auf der Bühne. Das entscheidende Element ist der catchy Mandolinentune, während Kettengeklirre und Gestampfe für Atmosphäre sorgen. Danach starten 1916 in “Some Songs” direkt durch. Kurzes Mandolinengeplänkel, dann rattert der Zug ungebremst los, angetrieben durch Kontrabass und Schlagzeug und aufgenommen durch einen “Woohoo”-Gangchorus, damit der Hörer sich direkt identifizieren kann. Das Tempo wird dann auch bei “Ophelia” hoch gehalten, die gleichen Zutaten kommen zum Einsatz. Etwas mehr Country kommt bei “Far beyond the Pale” durch. So spielt Billy sein Banjo, aber die Energie und das Tempo bleiben, der 1916er -Zug rast weiter. Erst “Guns of 16” sorgt für etwas Entspannung. Doch gibt es hier keine Ballade, sondern eher eine Hymne. Gleichzeitig stellt “Guns of 16” auch eine Zäsur dar, denn in “Shake and Roll” und “All outta Whiskey” steigert sich das Tempo auf aberwitzige Weise. Vor allem in “Shake and Roll” drücken Bass und Schlagzeug. Der Gesang wird dreckig und die gerufenen Yeahs werden mehr. In “Outta Whiskey” muss ich in Bezug auf die Untermalung spontan an die Klassiker von Johnny Cash denken, allerdings ein gutes Stück schneller. Schlonzige Stimme und grölende Antwort aus der Gang. Alter Schwede, wer hier nicht pogen möchte, der mag Schlager.

Mit “Man you don’t meet Every Day” liefern 1916 einen schottischen Klassiker, der für mich durch Cait O’Riordan eine besondere Bedeutung gewonnen hat. Schließlich schlug ihre Interpretation wie eine Bombe in meinen Deutschrapkosmos ein. 1916 interpretieren den Song wesentlich aggressiver, als die Pogues ihrerseits. Zwar kommt die Version an “mein” Original nicht heran, aber es war doch eine überraschende Alternative. 

Übrigens werdet ihr 1916 in unserem Weihnachtsspezial hören, denn mit “Christmas in the Canal” liefern sie ein wenig kitschiges Weihnachtswerk ab, das mich an DKMs “The Season’s Upon Us” erinnert. Nicht weil sie musikalisch ähnlich sind, sondern auf Grund des gleichen Themas. 

Es ist zwar nicht der letzte Song der Platte, aber “I´ll fly Away” ist es wert, zum Abschluss noch einmal einen besonderen Blick drauf zu werfen. Das Original von Brumley findet man im Internet als eine meist gemütliche, wenn auch eingängige Version, die mit der Interpretation der 1916er nichts gemein haben. Denn sie füllen den Song mit Energie und Billy trägt ihn mit Leid in der Stimme, das gleichzeitig Stolz und Hoffnung überträg, ja gegen Ende immer mehr zunimmt. Dazu ein Eisenbahnrythmus und eine mitnehmende Mandoline, ein Break und eine vokalistische Steigerung. Man kann geradezu das Abschlussfeuerwerk sehen. Was für eine Feier!  Diese Platte ist Pflicht in jedem Plattenregal!

Weitere Infos findet ihr auf der 1916 Band-Homepage.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.