The Screaming Orphans – Taproom (2017)

Der Titel Taproom lässt verschiedene Interpretationen zu. In einen Raum mit Zapfhähnen passt musikalisch alles, was Spaß macht. Das wäre eine Erklärung für die wahrhaft bunte Mischung aus Altem und Neuem, Ernstem und Heiteren. Angezapft wird aber auch das musikalische Erbe der vier Schwestern aus Bundoran, die mit der irischen Tradition aufgewachsen sind.

Das eigene Home ist ein leicht-lockeres Loblied auf das Zurückkehren. Die Screaming Orphans verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in den USA, wo auch dieses Album aufgenommen wurde.

Die übrigen zehn Titel sind trad. bzw. Cover von überwiegend bekannten Stücken. Hervorstechend sind die bisweilen herzzerreißenden Gesangsharmonien, eine große Stärke des Quartetts. Am intensivsten wirken die Stimmen beim amerikanischen Evergreen Shenandoah. Alles bekommt viel Sound-Effekt und Poparrangements wie eine Portion Zuckerwatte, auch die ernsten Lieder wie Paddys Lamentation oder The Ballad of Springhill. Diese Respektlosigkeit bewirkt, dass die Dominanz des sozialkritischen Inhalts sich auflöst, so als ob man aus einem Ballon überschüssige Luft ablässt. Dadurch kommen andere Seiten der Songs zum Vorschein. Follow Me Up to Carlow hat man noch nie so entspannt gehört. 500 Miles oder die leicht schrägen Walzer machen einfach Spaß.

Die Vier beherrschen eine Vielzahl von Instrumenten, bauen ihren Sound aber aber auf Fiddle/Bass, Akkordeon/Keyboard, Gitarre und Drums. Die Stücke sind mit knackigen Riffs versehen, bruchlos und variantenreich durcharrangiert. Was so unverschämt lässig wirkt, hat vermutlich viel Studioarbeit gekostet. Die elf Titel sind recht schnell vorbei – aber dafür lässt sich das ganze Album gern öfter hören.
Alle Texte sind mit Urheberangabe im Booklet verzeichnet.

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kuec

Für celtic-rock.de schreibe ich seit 2008. Meine Instrumente sind Geige, Gitarre und Bass.

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