Living Lâche ~ The Unflushable Pub-Pack (2009)

coverWie gut, dass es solche Bands auch in der Folk-Szene gibt. Living Lâche sind die Komiker, die Garagen-Punks, die Kreativen und Unabhängigen der Celtic-Folk-Szene. Das Paket, das man angeblich nicht herunterspülen kann (die Redaktion hat den Test NICHT gemacht!) besteht aus zwei 10-Track Alben im Papp-Schuber aus den Jahren 2007 („Living Lâche and other typical pub situations“) und 2008 („Unflushable – Young, hot and police power!“.

Albentitel und -namen verraten bereits, dass es mit der Ernsthaftigkeit nicht weit her ist. Die Songtitel lassen auf ähnliches schließen: „tralala, a nymphoid barbarian in dinosaur hell“ oder schlicht „????“. Tatsächlich kann man die Band allerdings nicht auf den Spaß, den sie beim musizieren ganz offensichtlich haben, reduzieren. Living Lâche leben vornehmlich den Punk in ihrer Musik und das bedeutet eben, dass sie machen, worauf sie gerade Lust haben. Da kann dann gerne auch politik und persönliche Tragik in einen Song hineingeraten. Punk bedeutet außerdem Garagensound. Der bliebt auch auf den mittlerweile 7. und 8. (!) Veröffentlichungen erhalten. Da muss nicht alles perfekt abgemischt sein, da darf auch das Timing wackeln und ein Ton schief sein. Seltsamerweise stören diese Dinge tatsächlich kein bisschen am äußerst positiven Gesamtbild der beiden Scheiben. Gewöhnungsbedürftig ist eventuell der Gesang, der bei den ersten Tönen an Kermit erinnert. Nach zwei, drei Songs fällt er aber kaum noch auf.

Auf „…pub situations“ spielt Living Lâche mit üblicher Bandbesetzung plus Harmonika und Whistles. Einzige Inspirationsquellen sind keineswegs nur keltische Volksmusik und Punk. Auch Funk, Blues, Raggae und mehr kann man wiederfinden. Bester Song auf der Platte ist „punks in a pub“ mit original Kneipenschlägerei. Die Platte wird düster eröffnet, findet dann aber recht schnell einen weit fröhlicheren Weg. „peggy gordan“ wird im Dreivierteltakt von der irischen Whistle getragen, „catwent ar y blaenwed“ ist ein netter instrumentalsong mit chaotischem Ende. „my broken leg“ ist ein eher ruhiger rock song, der nur durch die Flöten im HIntergrund an keltische Musik erinnert. Mit „????“ findet die Platte einen königlichen Abschluss mit lustigen Holzhackerbuam (3 Minuten), einer Stadion-Ole-Ole-Verarsche (20 Sekunden), The-Cure-Slow-Rocker (4 Minuten). Da man den letzten Song kaum ernsthaft zur Platte zählen kann, bleiben den restlichen Songs gerade einmal 37 Minuten, womit das Album dann doch recht kurz geraten ist.

„Unflushable…“ bringt es bei zehn Tracks auf über 40 Minuten. Der elfte Track, elektronischer verarsche-Bonus-Song, kann man auch hier nicht wirklich als Teil des Albums sehen. Bei der Platte sind ungleich mehr Instrumente beteiligt (unter anderem mandoline, bouzouki, banjo, cello,…), außerdem ist eine weitere Instrumentalistin an Bord. Das wirkt sich natürlich auch auf die vielseitigkeit und -schichtigkeit der Songs aus. Bei so vielen Instrumenten ist besseres Songwriting und Arrangements gefragt. Aber keine Angst, die Punk-Attitüde bliebt Living Lâche erhalten. Auch „Unflushable“ beginnt mit einem instrumental Song, „it was so mad that i believed“ beginnt sehr getragen, nimmt aber langsam an fahrt auf und ist hat wie viele der Unflushable-Sings dominante Flötenparts. „the king and the boogie man“ ist der erste schnellere Track und vereint Funk und Irish Folk. „The Fairmoy Lasses“ legt noch eine Schippe drauf und ist ein kurzer, aber guter instrumental Song. Bester Song des Albums ist „All About Money“, ein midtempo Song, vielschichtig und mit den typischen Unflushable-Flöten.

Insgesamt hat „Unflushable…“ leicht die Nase vorne. Beide Scheiben sind aber nichts für jemanden, der auf der Suche nach den typischen Arten des Celtic Folk ist. Living Lâche hat kaum etwas zu tun mit den Dubliners, Pogues oder Flogging Molly. Das hier ist eine vollkommen eigene Geschichte. Sozusagen Folk-Underground mit vielen Experimenten, viel Mut und viel Punk-Attitüde, ohne dabei in uninspiriertes Sex-Pistols-Green-Day-Geschrammel zu verfallen.

Bandfoto Boggin Leprechaun 2009
Unflushable - young, hot and police power


Trackliste – …and other typical pub situations

  1. tralala, a nymphoid barbarian in dinosaur hell
  2. the girl in green
  3. peggy gordan
  4. catwent ar y blaenwed
  5. punks in a pub
  6. the end of the irish blues
  7. st. martin drinks funky berleycorn
  8. (that’s why i) never stop
  9. my broken leg
  10. ????

Trackliste – Unflushable…

  1. múscail
  2. some hours in bed
  3. it was so mad that i believed
  4. the king and the boogie man
  5. dr anger and mr arse
  6. the fairmoy lasses
  7. drunken way home
  8. for you
  9. all about money
  10. the power of the dragon

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