The Ramshackle Army – Whitewashed Graves (2016)

Manchmal gibt es Platten, die packt man voller Erwartung aus, weil man weiss hier kann nur gute Musik drauf sein, denn es handelt sich um eine Premimumband der Szene, um Profis. Und wenn sich die CD dann im Spieler mit unglaublicher Geschwindigkeit dreht und die ersten Töne aus den Boxen kommen, ist man enttäuscht. Das ist nicht der Sound, den man erwartet hat. Aber die CD steckt nun im Player und läuft und man  denkt sich „ach, lass mal laufen“. Langsam passiert es dann im Unterbewusstsein und bricht leise an die Oberfläche. Die Songs, sie lassen einen plötzlich nicht mehr los! Genau das ist mir mit „Whitewashed Graves“ passiert. Beim ersten Hören waren mir die sechs Songs der EP irgendwie zu Radio, zu poppig. Aber in Wahrheit hat sich hier nur gezeigt wie konservativ ich sein kann. 

Das Tempo aller Songs wird vom Schlagzeug vorgegeben und hier erwartet einen auch keine Überraschung, wie bei den Cherry Cokes, ist es doch hier eine reine Rhythmusmaschine. Die Charakteristika der Songs werden in erster Linie durch Banjo und Mandoline geschaffen und dabei durch die raue, dreckige Stimme von Gas Byrne unterstützt. Beispiel „Foreign Soil“: erstmal Banjo, schnell gespielt, catchy Melodie. Dann setzt der Rhythmus ein und treibt den Song nach vorn und mit einem Rums folgt der ganze Rest. Während die Lyrics vorgetragen werden, nehmen sich die Instrumente etwas zurück, um dann druckvoll in den Refrain zu starten. Der ist natürlich teilweise nonverbal – Ramshackle Army wissen, was sie ihrem Publikum schuldig sind. Kurz vor Ende nochmal ein Break, nur Banjo und dann Finale. Rad nicht neu erfunden, aber grandios umgesetzt!

Inhaltlich haben Ramshackle Army eine Aussage. Sie sind auf der Seite, der ehrlichen und hart Arbeitenden. Auf „Whitewashed Graves“ dreht es sich nicht um Party und Bier, sondern um Benachteiligung und um Menschen, die dennoch aufrecht gehen und somit stabil bleiben. Also eine sozialkritische Platte und außerdem gibt es da diese Grillhymne 2017: einer der wahren Kritiker in diesem Haus sitzt auf der Rückbank in seinem Kindersitz und hat offensichtlichen Spaß an der Platte – es tanzt. Plötzlich trällert es von hinten „Das sind Koteletts, das sind Koteletts, owohooo!“ Ich denke nur „Agathe Bauer“, aber der Ohrwurm sitzt! Hätten wir Sterne zu vergeben, dann bekämen Ramshackle Army fünf Sterne für „Whitewashed Graves“ und wer weiß, was sich hinter den Koteletts verbirgt, der bekommt von mir einen gut gelagerten Weizenschnaps, wenn wir uns sehen.

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